Die Revolution der orangen Weine

Das Orange Wine Festival ist eine Nischenveranstaltung, auf der im Frühling in Izola und im Herbst in Wien Weinhersteller ihre maischevergorenen Weißweine präsentieren. Die beiden diesjährigen Festivals finden bereits zum dritten Mal in der Folge statt. In Wien erwarten wir heuer einen Rekord an Besuchern und präsentierten Weinen.

Die Herstellung von Weißweinen durch verlängerte Maischegärung (Kontakt des Mostes mit den Beerenschalen) ist ein traditionelles Verfahren – auf diese Art werden sonst nur Rotweine hergestellt. Vor allem in Georgien wird dieses Verfahren bis heute praktiziert.  Auch in den nördlichen Adria-Regionen gibt es Winzer, die das Weinherstellungsverfahren ihrer Großväter niemals vergessen haben. Mittlerweile gibt es immer mehr Winzer, die erneut darauf zurückgreifen und es durch neue Erkenntnisse bereichern.

Für die Herstellung von orangen Weinen benötigt man sehr gesunde und reife Trauben. Der wichtigste Teil der Arbeit beginnt also bereits im Weingarten. Die Ernte ist durch diesen Ausmusterungsprozess also nicht sehr reich, aber von höchster Qualität. Bei der Maischegärung werden die Farbstoffe und verschiedene andere Stoffe wie z.B. Tannine aus den Beerenschalen herausgelöst, deshalb muss der Rohstoff Traube einwandfrei und unbehandelt sein. Das ist somit die Grundlage für die naturbelassene, biologische bzw. bio-dynamische Weinherstellung.

Gesunde und reife Beeren bleiben unterschiedlich lange in Kontakt mit dem Most und später auch mit dem Wein. Manche Winzer praktizieren eine kurze, nur wenige Tage dauernde Mazeration, andere wiederum pressen den Wein erst kurz vor der nächsten Lese. Dies gilt besonders für Weine, die in Amphoren (traditionelle georgische Tongefäße, die in der Erde eingegraben sind) gelagert werden. Der Pionier dieser Art der Weinherstellung in Mitteleuropa ist Joško Gravner aus Oslavje im Weinbaugebiet Collio (Italien). Seiner Methode folgten einige Winzer aus Slowenien, Kroatien, Österreich, Schweiz und Deutschland.

Hersteller von Orangen Weinen lassen den Most mittels der auf den Traubenschalen vorhandenen wilden Hefen spontan gären. Sie vermeiden önologische Mittel und verwenden zum Schutz des Weines nur minimale Mengen an Schwefel. Der aus gesunden Trauben mit etwas höherem Tanningehalt hergestellte Wein verfügt grundsätzlich über einen guten Schutz. Die Weine reifen lange in Holzgefäßen und werden in der Regel erst nach drei Jahren auf den Markt gebracht. Die Mehrheit der Winzer füllt den Wein ohne vorherige Filtrierung ab.

»Orange  Wine« ist eine im angelsächsischen Raum entstandene Benennung für mazerierte Weißweine. In den letzten Jahren ist Orange zur vierten Weinfarbe geworden. Diese Weine haben eine intensivere Farbe: von Altgold bis zu dunklen Bernstein-Tönen. Das Bukett erinnert an reife und kandierte Früchte, an Sherry und Cognac-Noten, sowie an verschiedene Kräuter. Im Mund zeigen sich die Weine reif, komplex, mineralisch, salzig mit wahrnehmbaren Tanninen und langem Abgang.

Die Orangen Weine sind Nischenprodukte, die Epizentren der Herstellung befinden sich in deren Urheimat Georgien und in den Ländern des nördlichen Adriagebiets, vor allem in den Weinbaugebieten Primorska (Brda, Kras, Vipavska dolina und Slovenska Istra) sowie in den benachbarten Weinbaugebieten Friaul-Julisch Venetien in Italien und in Kroatien.

Das MuseumsQuartier (Arena 21 & Oval Halle) in 1070 Wien wird am Montag, 3. November zwischen 16.00 und 21.30 Uhr zum bisher größten globalen Treffpunkt der Hersteller von orangen Weinen. Es stellen sich rund 70 Winzer aus Slowenien, Italien, Kroatien, Tschechien, Slowakei, Deutschland und Österreich vor. Unter ihnen sind einflussreiche und international bekannte Hersteller – ein Vorbild für ihre jüngeren Kollegen, die sich auch für die naturbelassene und biologische Weinherstellung entscheiden haben.

Foto: Saso

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Egon-Julius Berger

Vor einigen Jahren machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit den naturbelassenen Orange Wines. Die Stimmigkeit dieser naturbelassenen Weine und dieser besonderen Winzer, war für mich sofort spürbar! Als gebürtiges „Wirtshaus-Kind“ hatte ich schon immer viel Einblick in die Gastronomie- und Touristikbranche gehabt. Obgleich ich kein Weinexperte bin, bringe ich doch einiges an Praxiserfahrung mit. Ich habe mir in den letzten Jahren – in zahlreichen Gesprächen mit Winzern – viel Wissen über diese Art der Vinifizierung sowie den bio-dynamischen Weinbau angeeignet. Somit habe ich mir nunmehr das Ziel auferlegt, diese bio-dynamischen Weine einer interessierten, wertschätzenden und aufgeschlossenen Personenschicht zugänglich zu machen!

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